24. Europäische Kulturtage 2018, 20. April - 5. Mai 2018

20. April – 5. Mai 2018

Umbrüche, Aufbrüche

Kleine Signale für Veränderung

Franzjörg Krieg, Väteraufbruch für Kinder Karlsruhe e. V.


Bildnachweis: privat

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Frauen sind immer noch nicht in allen Bereichen gleichgestellt. Deshalb gab es auch staatlich organisierte Diskriminierung – „positive Diskriminierung“, um Unterschiede auszugleichen. Und Gender Mainstreaming wird auch heute noch (unzulässig) mit reiner „Frauenförderung“ gleichgesetzt.

Die Frauenbewegung hatte dafür gesorgt, dass der Bereich Familie mit allen Themen, die damit korrelieren, bis heute Frauensache ist. Undenkbar, dass das Bundesfamilienministerium von einem Männer-Minister geleitet werden könnte.

Trennungsväter erfuhren schon sehr früh, dass sie benachteiligt wurden. Der Wandel in der Familienrechtspraxis vom Schuldprinzip zum Zerrüttungsprinzip misslang. Stattdessen wurde ein neues pauschales Schuldprinzip geschaffen: Schuld ist immer der Mann.

Sätze wie „Ein Kind gehört zur Mutter“ funktionierten vor dem Hintergrund eines Geschlechterbildes, das die Mutter als Hüterin von Heim und Kind sah und den Mann in der reinen alimentierenden Versorgerrolle. Zunehmend wurde dieser Beitrag des Vaters zur Aufrechterhaltung der Familie nicht mehr gesehen und in den familiengerichtlichen Trennungsauseinandersetzungen wurde er mit dem Hinweis „Der war ja nie da“ aus der Vaterrolle gedrängt und auf die reine weitere Finanzierung reduziert.

Viele verantwortungsbewusste Eltern regeln auch nach einer Trennung ihre Aufgaben vernünftig. Wenn aber über Anwälte der Streit maximiert wird und die gemeinsamen Kinder mit Destruktionsabsicht instrumentalisiert werden, verliert in einem System von „Residenzmodell“ der Vater als weitgehend ausgegrenztes Elternteil immer. Und mit ihm das Kind, das zur Halbwaise wird, mit der zusätzlichen destruktiven Variante, dass es meist selbst die Ausgrenzung des zweiten Elternteils als Instrumentalisierungsziel des hauptsächlich betreuenden Elternteils übernimmt – mit weit reichenden Konsequenzen für dessen eigene Entwicklung.

Der Ende der 80er Jahre gegründete „Väteraufbruch für Kinder“ machte sich als einziger bundesweit aufgestellter Verein für Trennungseltern zum Sprachrohr ausgegrenzter beziehungsweise von Ausgrenzung bedrohter Elternteile. Es war über 20 Jahre lang aussichtslos, über die Nothilfe hinaus politisch Fuß zu fassen und den Kurs des schwerfälligen Tankers „Trennungsindustrie“ auf einen neuen und kindeswohlorientierteren Kurs zu bringen.

Kleine Signale für eine Veränderung waren das Aufkommen der „Cochemer Praxis“ (in Karlsruhe als „Karlsruher Weg“), der 2008 in Karlsruhe gedrehte Film „Der entsorgte Vater“ und schließlich die seit 2012 immer intensiver geführte Diskussion um das Wechselmodell oder die Doppelresidenz als Alternative zum Residenzmodell.

Damit steht nicht mehr die Kritik der organisierten Väter an den bestehenden Verhältnissen im Vordergrund, sondern eine konstruktive Alternative.