24. Europäische Kulturtage 2018, 20. April - 5. Mai 2018

20. April – 5. Mai 2018

Umbrüche, Aufbrüche

Mein Rat: Sich niemals entmutigen lassen

Regina Halmich, Boxweltmeisterin, Moderatorin


Bildnachweis: Regina Halmich

Bildnachweis: Regina Halmich

Seit dem 18. Jahrhundert wird das Boxen von beiden Geschlechtern ausgeübt, dennoch sorgt eine Frau, die in den Ring steigt, immer noch für Aufsehen. Boxen, das ist doch nur was für Männer, und ist das überhaupt nicht viel zu gefährlich für Frauen?

Als ich 1995 meine Profikarriere als Boxerin begann, war es besonders schlimm: Am Anfang hat mir kaum jemand eine Chance gegeben, von allen Seiten gab es heftige Reaktionen, von den männlichen Kollegen, den Veranstaltern und ganz besonders von den Medien. Das Schlimmste war, dass ich mir diese Kommentare schon anhören musste, bevor ich überhaupt im Ring stand! Allein als Mädchen die Idee zu haben, dass man boxen könnte, galt als frech und unerhört.

Und auch beim Training habe ich deutlich gemerkt, dass ich in eine Männerwelt vordringe: Es fing ja schon damit an, dass es in meinem Boxclub gar keine Duschen für Frauen gab! Ich durfte entweder vor oder nach den Männern duschen.

Das Wichtigste für mich damals war – und das ist auch mein Ratschlag an alle Frauen, die sich in einer Männerdomäne durchschlagen müssen: Sich niemals entmutigen zu lassen! Durch den ganzen Widerstand hatte ich das Gefühl, ich muss mich erst recht beweisen und habe daher oft beherzter gekämpft, als dies ein Mann vielleicht getan hätte.

Im Laufe der Karriere habe ich zahlreiche Titel gewonnen – und auch den Respekt meiner männlichen Kollegen. Und als ich im November 2007 in Karlsruhe meine Karriere mit einem Sieg gegen die Israelin Hagar Shmoulefeld Finer beendet habe, war die Fernsehquote enorm: 8,8 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. Aber besonders hat es mich gefreut, dass ich durch mein Beispiel den Weg bereiten konnte für so viele talentierte Boxerinnen wie Natascha Ragosina, Susi Kentikian, Alesia Graf oder Ina Menzer.

Frauenboxen in Deutschland ist mittlerweile nicht mehr verpönt, und für viele junge Frauen ist es ganz selbstverständlich, sich für diesen Sport und diese Karriere zu entscheiden. Natürlich gibt es weiterhin deutliche Unterschiede zum Männerboxen: Die Preisgelder sind viel niedriger, Sponsoren sind rar und es ist schwer, gute Gegnerinnen für spannende Kämpfe zu finden.

Hoffnungsvoll schauen wir da auf die führende Nation des Frauenboxens, in der weibliche Kämpfe landesweit im Fernsehen zu sehen sind und einige Boxveranstaltungen sogar einen überwiegenden Frauenanteil haben – und das im Land der „Machos“: Mexiko.