24. Europäische Kulturtage 2018, 20. April - 5. Mai 2018

20. April – 5. Mai 2018

Umbrüche, Aufbrüche

Von echter Gleichberechtigung ein ganzes Stück entfernt

Dieter Bürk, DGB Stadtverband Karlsruhe


Bildnachweis: DGB Stadtverband Karlsruhe

Bildnachweis: DGB Stadtverband Karlsruhe

„Umbrüche, Aufbrüche: Gleiche Rechte für alle“, das ist immer noch ein brandaktuelles Thema und ich freue mich auf ein spannendes Programm, das die Macherinnen und Macher der EUROPÄISCHEN KULTURTAGE KARLSRUHE zusammengestellt haben.

Die Forderung nach Gleichheit vor dem Gesetz, der Gleichberechtigung der Geschlechter oder ganz aktuell die Diskussion über Diskriminierungsfreiheit hat nichts mit dem Gerede von Gleichmacherei oder Konformität zu tun. Nicht erst seit den Aufbrüchen von 1848/49 gibt es die gesellschaftliche Auseinandersetzung um gleiche Rechte für alle, unabhängig von Geschlecht, Religion oder der Herkunft. Aber die Ereignisse von 1848/49, die Revolution von 1918 oder die 68er-Bewegung waren Zeiten, die die Bestrebungen nach gleicher Teilhabe und gerechter Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums gepuscht haben.

In den letzten 150 Jahren hat sich vieles verändert, vieles verbessert und es wurde einiges erreicht.

Das Wahlrecht für Frauen feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Die freie Berufswahl von Frauen, ohne den Ehemann zu fragen, ist Realität, ebenso die Abschaffung der ehelichen Pflichten und die Elternzeit für Frau und Mann, um nur einige zu nennen.

Reicht das aber schon aus? Manch ein Mainstream will uns „Individualität und Chancengleichheit“ vermitteln.

Betrachten wir die betrieblichen Realitäten, so sind wir immer noch ein ganzes Stück von einer echten Gleichberechtigung der Geschlechter entfernt. In Baden-Württemberg liegen wir bei einem Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen mit 21 % am Ende in Deutschland. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland auf Platz 14. Die Umsetzung des Elternzeitgesetzes findet in erster Linie durch die Frauen statt. Das hängt mit den Karrierechancen, den unterschiedlichen Einkommen, aber auch mit betrieblichen Repressalien gegenüber männlichen Arbeitnehmern zusammen. Teilzeit ist in erster Linie frauendominiert, und wenn die Frau einmal in der Teilzeitfalle ist, scheitert die Rückkehr in die Vollzeit häufig an der Weigerung des Arbeitgebers. Kindererziehung und Haushalt sind immer noch Frauensache und finden keine gesellschaftliche Wertschätzung. Geringe Altersrente von Frauen, aber auch die niedrigen Frauenanteile in den Parlamenten – die Liste der Ungleichheit könnte beliebig fortgesetzt werden. Damit sie kürzer wird und vielleicht die Liste irgendwann abgearbeitet ist, dafür engagiert sich der DGB und dafür brauchen wir eine breite und kreative Bewegung. Ich wünsche den EUROPÄISCHEN KULTURTAGEN KARLSRUHE ganz viel Erfolg und volle Veranstaltungen.