24. Europäische Kulturtage 2018, 20. April - 5. Mai 2018

20. April – 5. Mai 2018

Umbrüche, Aufbrüche

Sonntag, 29.04.2018 | 11:00


Tiger und Löwe

von Data Tavadze und Davit Gabunia


Bildnachweis: Felix Grünschloß

Tiger und Löwe – Antonia Mohr
Bildnachweis: Felix Grünschloß

Die Kaukasus-Region ist seit 100 Jahren im Umbruch: Unabhängige kleine Staaten, eine übergreifende Sowjetrepublik, dann Einzelrepubliken, die Wehrmacht kurz vor dem Gebirge, Zerfall der Sowjetunion, Kriege, Grenzkonflikte, ein neues Nationalbewusstsein und doch der Wunsch, ein Teil von Europa zu sein. 1937 wurden über 150 georgische Künstler und Intellektuelle beseitigt – auf Befehl des Georgiers Stalin, organisiert von seinem georgischen Geheimdienstchef Beria. Es verschwanden Regisseure, Theaterleiter, weltberühmte Musiker, in der gesamten Sowjetunion gelesene Autoren, unter ihnen der Lyriker Paolo Iashvili, der im Haus der Schriftsteller zum Selbstmord gezwungen wurde. Dort sind noch heute der ausgestopfte Tiger und der Löwe zu sehen, die stumme Zeugen dieses Verbrechens waren. Der Romanautor Micheil Jawachischwili wurde wenig später von seinen Schriftstellerkollegen unter Druck als Volksfeind denunziert, gefoltert und hingerichtet. Er hinterließ Notizbücher voller Ideen für ungeschriebene Romane. Texte der ermordeten Autoren werden in Georgien zwar wieder publiziert, aber in Zeiten von Renationalisierung der Kultur sind die Verbrechen der Stalinzeit kein Thema.

Data Tavadze und Davit Gabunia haben aus Dokumenten, Erinnerungen und literarischen Texten ein Stück geschrieben, das die stalinistischen Säuberungen erstmals ausdrücklich auf die georgische Bühne bringt. Die jungen Theatermacher leiten seit 2008 das Royal District Theatre in Tiflis. 2014 gewann Tavadzes Stück „Kriegsmutter“ den Dramenwettbewerb „Talking about borders“. 2015 zeigten die beiden ihre Bearbeitung der „Troerinnen“ bei Premières mit großem Erfolg in Karlsruhe und daraufhin in Brüssel, Danzig sowie beim europäischen Festival für junge Regie „Fast Forward“ in Braunschweig, wo sie 2016 den Preis der internationalen Jury gewannen. Jetzt arbeiten sie erstmals in Deutschland. Die Ausstattung besorgt Sebastian Hannak, Gewinner des Deutschen Theaterpreises „Der Faust“ 2017, der in Karlsruhe zuletzt das Bühnenbild für „Die Walküre“ entwarf. Die Koproduktion wird im Herbst 2018 in Georgien gastieren.

Bei der Einführungsmatinee „Sonntag vor der Premiere“ präsentieren Dramaturg Jan Linders, Regieteam und Mitglieder des Ensembles die neue Inszenierung und gewähren einen Einblick in den Stand der Arbeit.


Matinee „Sonntag vor der Premiere“

Weitere Termine
Do, 3.5.2018, 19 Uhr, Öffentliche Probe, Kleines Haus
So, 6.5.2018, 18 Uhr, Uraufführung, Kleines Haus

Eintritt
5 €, Matinee,
10 €, Öffentliche Probe,
31 €–10 € Premiere
VVK: kartenservice@staatstheater.karlsruhe.de

Info
0721 933333
www.staatstheater.karlsruhe.de

Veranstalter
Staatstheater Karlsruhe
Koproduktion mit dem Royal District Theatre, Tiflis
Gefördert im Internationalen Koproduktionsfonds des Goethe-Instituts