24. Europäische Kulturtage 2018, 20. April - 5. Mai 2018

20. April – 5. Mai 2018

Umbrüche, Aufbrüche

Freitag, 27.04.2018 | 19:00


?Ohrwurm Schönberg?

Der Zerbruch des tonalen Zentrums


Bildnachweis:

Cornelia Gengenbach; Hanna Jüngling; Rita Huber-Süß; Ursula Zetzmann (v.li.)

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges brach sich in der Musik die sogenannte „Atonalität“ nach vielen Vorläufern Bahn. Die Auflösung bekannter Formen und Strukturen geschah zeitgleich in allen Künsten. Kurz vorher, 1909, waren Schönbergs „Klavierstücke“ entstanden.

„Atonale“ Motive und Einfälle existierten schon lange vorher, aber diese Vorläufer blieben immer eingebettet in eine umfassende, bergende Tonalität. Mit dem Kriegsende erschien dieser sichernde Boden zerbrochen, weggezogen, eine Illusion zu sein. Man suchte aus den bodenlos gewordenen Bruchstücken etwas Neues zu schaffen, die einen durch die Rekonstruktion einer tonalen Traumwelt, die anderen durch die radikale Akzeptanz des Zerbruchs.

Mit der Atonalität verlor die Musik den Bezug auf ein tonales Zentrum – einen Grundton. Alle Beteiligten, spielende wie zuhörende, müssen einen „musik-logischen“ Zusammenhang je neu herstellen. Dies führte langfristig zu der heute formulierten Trennung von „E-Musik“ und „U-Musik“.

Man kann Menschen beim Pfeifen einer Melodie von Verdi, Mozart oder Bach zuhören, aber selten werden diese ein atonales Stück pfeifen. In der Unterhaltungsmusik oder beim Chanson wird, unter bewusster Abkoppelung von der Entwicklung der atonalen „Neuen Musik“, tonal komponiert.

Das Konzertprogramm befasst sich mit der postulierten Relativität der Hörgewohnheiten, spürt der Entwicklung nach 1918 nach, sucht aber auch die tief in die Geschichte zurückreichenden ästhetischen und traditionellen Gründe, die diese Entwicklung überhaupt erlaubt haben. Bislang ist keine Kultur bekannt, die so radikal ihre ästhetischen Strukturen aufgebrochen und entsprechend weitergeführt hat. Die Potenz dazu ist folgerichtig in dieser Musiktradition selber zu suchen.

MIT Hanna Jüngling, Geige; Rita Huber-Süß, Stimme; Cornelia Gengenbach, Klavier; Ursula Zetzmann, Rezitation


Eintritt
frei

Info
0721 374137
www.gedok-karlsruhe.de

Veranstaltende
Gedok Karlsruhe in Kooperation mit der Badischen Landesbibliothek