24. Europäische Kulturtage 2018, 20. April - 5. Mai 2018

20. April – 5. Mai 2018

Umbrüche, Aufbrüche

Sprachliche Differenzierung ist gesellschaftliche Aufgabe

Theresia Bauer MdL, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg


Bildnachweis: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Bildnachweis: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Mit einer brennenden Frage der Gesellschaftspolitik beschäftigen sich die 24. Europäischen Kulturtage: „Gleiche Rechte für alle“. Das ist für mich eine Forderung, die Menschen erheben, wenn es Ungleichheiten gibt und wer dafür verantwortlich gemacht werden kann.

In schrittweisen Aufbrüchen sind Generationen von Vorkämpferinnen und Vorkämpfern und damit die von ihnen vertretenen Bürgerinnen und Bürger dem Ziel der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit immer nähergekommen. Heute ist der Gleichheitsgrundsatz in den europäischen Verfassungen fest verankert.

Doch dieses Ziel ist kein festes, sondern ein dynamisches: Bereits die eben zitierte, in deutschen Landen begeistert übernommene Parole der französischen Revolution, lässt uns stutzen: „Brüderlichkeit“? Die Ungleichheit steckt, das erkennen wir heute, immer schon in der Sprache. Daher ist sprachliche Differenzierung für uns eine notwendige gesellschaftliche Aufgabe.

Das dynamische Ziel der Gleichheit, nirgendwo wird es manifester als im Geschlechterverhältnis. So freut es mich, dass das Festival Frauen in den künstlerischen und wissenschaftlichen Mittelpunkt stellt. Als Stadt der Wissenschaft und Technik ist Karlsruhe (noch) eine der wenigen Metropolen mit Männerüberschuss – und ebenso der Ort, an dem das Bundesverfassungsgericht im November 2017 sein wohl folgenreiches Urteil über das dritte Geschlecht gefasst hat.

Über 30 Karlsruher Institutionen und Initiativen laden in einem beispielhaften Verbund an 16 Tagen zur lustvollen Auseinandersetzung und zur Begegnung mit Künstlerinnen und Künstlern aus Europa und darüber hinaus. Das Festival ist dem Land Baden-Württemberg ebenso wie der Stadt Karlsruhe eine besondere Unterstützung wert. Ich freue mich auf die Eröffnung am 20. April, bei der wir im Dreischritt vom Landesmuseum und der Eröffnung der Ausstellung „Revolutionen!“ über den Bürgersaal im Rathaus mit der Festrede von Susanne Baer zum Thema „Gleiche Rechte für alle“ ins Staatstheater gehen. Dort erwarten uns Karlsruher Bürgerinnen mit ihrer Volkstheater- Performance „Radikale Akte“, ehe die „Hair“-Band zur 68er Party einlädt.

Ich wünsche dem Festival und allen Kulturakteuren, dass ihr Angebot ein großes Echo findet und möglichst weite Kreise zieht. Von Ungleichheiten ist jede(r) von uns betroffen, am Ausgleich sollte jede(r) von uns arbeiten. Kunst, Kultur und Wissenschaft können uns auf den Weg dahin bringen.

Theresia Bauer MdL
Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg