EINE FRAGE VON KRIEG ODER FRIEDEN?

Dr. Joachim Nagel, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, zieht historische Lehren aus Währungskooperationen und Währungsunionen in Europa.

Freitag, 23.05.2014 | 17:00
Badische Landesbibliothek

Bildnachweis: Deutsche Bundesbank
Dr. Joachim Nagel

Gemeinsame Währungen sind nichts Neues


In der aktuellen Diskussion um die Krise der Europäischen Gemeinschaftswährung wird immer wieder eine historische friedensstiftende Bedeutung des Euro beschworen. Manche behaupten: Zerbräche die Gemeinschaftswährung, wäre der Frieden in Europa gefährdet. Das klingt bedrohlich und überdeckt auf dem Wege der rhetorischen Verkürzung die Hauptprobleme der aktuellen Krise. Eine Kooperation wie die Europäische Währungsunion wird zur politischen Lebensfrage stilisiert – und damit das Geldwesen von einer ökonomischen zu einer friedenspolitischen Angelegenheit umgedeutet.

Dabei sind Währungskooperationen, Währungsvereinheitlichungen und Währungsunionen in Europa nichts Neues. Deren große Zeit endete mit dem Kriegsausbruch 1914. Manche waren erfolgreich und beständig, andere weniger. Den großen Krieg hat aber keine verhindert. Friedenspolitik und Währungspolitik sind zwei paar Stiefel. Über Krieg und Frieden entscheiden Regierungen, nicht Zentralbanken. Wenn Währungsunionen von Dauer waren, waren sie meist in erfolgreiche politische Unionsbestrebungen eingebettet. Währungsunionen und Währungskooperationen verlangen immer einen Verzicht auf nationale Souveränität, die Teilnehmerstaaten müssen sich an die vereinbarten Spielregeln halten. Tun sie das nicht, wird umgekehrt ein Schuh daraus: Schlecht gemachte Währungsunion haben am Ende den politischen Frieden gefährlich belastet. Sie haben aber auch noch nie einen Krieg geführt.

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