IMPERIALISTISCHE STIMMUNGSMACHE VOR 1914

Prof. Dr. Jost Hermand, University of Wisconsin, Madison, Wisconsin

Samstag, 24.05.2014 | 16:00
Regierungspräsidium am Rondellplatz
Meidingersaal

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Prof. Dr. Jost Hermand

Das Ziel: ein Platz an der Sonne


Nachdem viele deutsche Neuhistoriker lange die These vertreten haben, dass das wilhelminische Reich lediglich durch eine Verkettung unglücklicher Umstände in den Ersten Weltkrieg „hineingeschlittert“ sei, hat sich seit dem Buch „Der Griff nach der Weltmacht“ (1961) von Fritz Fischer die Erkenntnis durchgesetzt, auch die Mitschuld Deutschlands an diesem Krieg herauszustellen. Anschließend sind eine Reihe von Untersuchungen erschienen, die nachdrücklich auf die imperialistische Stimmungsmache vor 1914 hingewiesen haben, durch die es in Deutschland zu einer zunehmenden Kriegsbereitschaft gekommen sei.

Ihren Höhepunkt erlebte diese chauvinistische Propagandawelle im Jahr 1913, als es bei den Jahrhundertfeiern der Völkerschlacht von Leipzig gegen den „Erzfeind“ Frankreich zu wahren Orgien imperialistisch angeheizter Gefühlsentladungen kam. Nicht nur Wilhelm II., sondern breite Bevölkerungsschichten, darunter selbst führende Akademiker, ließen sich in diesem Jahr zu einem imperialistisch gestimmten Patriotismus hinreißen, der sogar vor Annexionsforderungen nicht zurückschreckte. Nur so ist es zu verstehen, dass es in den ersten Augusttagen des Jahres 1914 zu jener kriegerischen Begeisterungswelle kam.
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