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Presse

11. April 2018

GRÜNE fordern bessere Rahmenbedingungen für Inklusion in Kitas

Die Grünen wollen mit einem Antrag an den Gemeinderat erreichen, dass die Mittel für pädagogische und begleitende Hilfen zur Inklusion von Kindern mit Behinderungen in den Kindertagesstätten zeitnah deutlich erhöht werden. Sie verlangen außerdem die Erarbeitung einer neuen Konzeption, mit der von pauschalen Hilfen auf eine bedarfsgerechte individuelle Förderung umgestellt werden soll.
 
„Während die gesetzlichen Voraussetzungen für Inklusion immer besser wurden, haben sich die pädagogischen Rahmenbedingungen für Inklusion in den Kitas seit Jahren massiv verschlechtert“, kritisiert Stadträtin Renate Rastätter, zuständig für Jugendhilfe in der Fraktion. „Die Pauschalen für die pädagogischen Hilfen von derzeit 460 € im Monat wurden Anfang 2003 festgesetzt und sind seither nicht mehr erhöht worden.“ Während damit ursprünglich eine pädagogisch-therapeutische Förderung von vier Stunden in der Woche geleistet werden konnte, seien es inzwischen nur noch 1,5 Stunden. Zwar seien die Mittel für begleitende Hilfen angepasst worden. „Durch die begleitenden Hilfen wird allerdings nur eine Alltagsassistenz für Kinder mit Behinderungen ermöglicht“, ergänzt Stadträtin Verena Anlauf, ebenfalls Mitglied im Jugendhilfeausschuss. „Sie werden nur dann gewährt, wenn ein Kind ohne diese Hilfestellung die Kita nicht besuchen könnte.“
 
Die Grünen kritisieren, dass 1,5 Stunden pro Woche für eine angemessene pädagogisch-therapeutische Unterstützung durch eine Heilpädagogin nicht ausreichen. Deshalb sei es für Kitas außerordentlich schwierig, einzelne behinderte Kinder wohnortnah zu integrieren.
 
Selbst in inklusiven Kitas, die nach dem Konzept der stadtteilorientierten Schwerpunkteinrichtungen arbeiten, müsse in jeder Gruppe eine Mindestzahl von vier behinderten Kindern erreicht werden, um jeweils eine heilpädagogische Fachkraft in Teilzeit beschäftigen zu können.
 
Nach Informationen der Grünen haben inzwischen etliche Kreise die pädagogischen Pauschalen deutlich angehoben, unter anderem in Freiburg und Emmendingen auf 540 bzw. 560 € monatlich. Auch im Landkreis Karlsruhe wurde in diesem Frühjahr die pädagogische Pauschale auf 530 € erhöht.
 
Grundsätzlich sei es aber nicht mehr zeitgemäß, Eingliederungshilfen pauschal abzugelten. „Dies wird den sehr unterschiedlichen Förderbedarfen der Kinder nicht gerecht“, so Rastätter. Durch das neue Bundesteilhabegesetz werde jetzt verbindlich vorgegeben, dass Eingliederungshilfen nach dem individuellen Bedarf gewährt werden müssen. Mehrere Kreise in Baden-Württemberg sowie unser Nachbarland Rheinland-Pfalz seien schon auf eine individualisierte Ermittlung der notwendigen Eingliederungshilfen umgestiegen. Die Grünen wollen deshalb erreichen, dass auch die Karlsruher Stadtverwaltung eine konzeptionelle Änderung in diese Richtung vorbereitet und dem Gemeinderat vorlegt. Eine individuelle Eingliederungshilfe würde die Rahmenbedingungen für eine wohnortnahe Inklusion der Kinder deutlich verbessern. Denn wie die Stadtverwaltung im Herbst 2015 in ihrer Antwort auf eine Grüne Anfrage zu diesem Thema zu Recht ausgeführt hat, „sollen langfristig die strukturellen Bedingungen so ausgestaltet werden, dass Inklusion in allen Karlsruher Kindertageseinrichtungen praktiziert werden kann“.
 
„Genau das wollen wir mit unserem Antrag erreichen“, so die beiden Stadträtinnen.