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Anträge

17. Dezember 2015

Einrichtung eines Kompetenzzentrums für Vorbereitungsklassen (VKL) in Karlsruhe

Antrag:

 
  1. Die Stadtverwaltung setzt sich dafür ein, dass künftig in Karlsruhe Vorbereitungsklassen nicht nur an Werkrealschulen, sondern auch an anderen weiterführenden Schulen, wie Realschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien, eingerichtet werden.
  2. Für dieses Ziel wird gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt und der Abteilung Schule und Bildung des Regierungspräsidiums eine Konzeption entwickelt. Im Rahmen dieser Konzeption soll die Schillerschule als Kompetenzzentrum die fachliche und pädagogische Zuständigkeit einschließlich des Einsatzes der bereits geschulten Lehrkräfte für diese Klassen behalten. Die bisherigen konzeptionellen Überlegungen der Schillerschule sollen dabei berücksichtigt werden.
  3. Es soll geprüft werden, welcher Schulstatus für das Kompetenzzentrum Schillerschule möglich ist, z. B. eine Fortführung als Werkrealschule oder ein neues Dach, etwa als „Kompetenzzentrum für Vorbereitungsklassen (VKL) Schillerschule“.
  4. Die Stadtverwaltung prüft, welche weiterführenden Schulen in Karlsruhe räumliche Kapazitäten für die Angliederung einer Vorbereitungsklasse haben und motiviert sind, gemeinsame Unterrichts- und AG-Angebote mit der Vorbereitungsklasse auszugestalten.

 

Sachverhalt/Begründung

 

Die gute Beherrschung der deutschen Sprache bildet die Grundlage für schulischen Erfolg und Integration. Flüchtlingskinder und Kinder aus Zuwandererfamilien ohne ausreichende Deutschkenntnisse besuchen deshalb zunächst Vorbereitungsklassen, bevor sie in die regulären Klassen integriert werden.
 
In den letzten Jahren hat die Zahl der Vorbereitungsklassen in Karlsruhe stark zugenommen. Im Schuljahr 2015/16 wurden zwölf Vorbereitungsklassen verteilt auf neun Standorte für Kinder im Grundschulalter gebildet. Die neun Vorbereitungsklassen in der Sekundarstufe I sind auf nur drei Werkrealschulen konzentriert: Die Pestalozzischule in Durlach mit einer, die Gutenbergschule mit zwei und die Schillerschule mit sogar sechs Vorbereitungsklassen.
 
Die Werkrealschule der Schillerschule läuft demnächst aus und hat nur noch die Klassen 8, 9 und 10. Dadurch fehlt dort für die SchülerInnen der Vorbereitungsklassen zunehmend die Möglichkeit zu gemeinsamen Unterrichts- und Freizeitangeboten mit gleichaltrigen Kindern und Jugendlichen aus regulären Klassen.
 
Die ursprüngliche Beschränkung von Vorbereitungsklassen auf Werkrealschulen wurde durch das Land aufgehoben. Vorbereitungsklassen können nun auch an Realschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien angegliedert werden. Dies ist aus bildungs- und integrationspolitischen Gründen sinnvoll. Wir GRÜNE setzen uns deshalb dafür ein, dass auch an diesen Schularten in Karlsruhe Vorbereitungsklassen eingerichtet werden und die Stadtverwaltung gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt und dem Regierungspräsidium die erforderlichen Vorbereitungen dazu trifft.
 
Die besonderen Kompetenzen der Werkrealschulen für den Unterricht in Vorbereitungsklassen, insbesondere der Schillerschule, sollten jedoch weiter genutzt werden. Der Unterricht in den Vorbereitungsklassen ist eine sehr große Herausforderung für die Lehrkräfte: Manche Kinder kennen noch nicht einmal das Alphabet, andere bringen schon eine gute Bildung und somit gute Voraussetzungen aus ihrem Heimatland mit. Viele Kinder haben sehr belastende Erfahrungen gemacht, manche von ihnen sind traumatisiert.
 
Sehr viele LehrerInnen der Schillerschule haben eine Aus- und Weiterbildung für Deutsch als Zweitsprache und Deutsch als Fremdsprache sowie weitere interkulturelle Qualifikationen erworben. Es ist unverzichtbar, dass diese motivierten und engagierten ExpertInnen auch weiterhin in Vorbereitungsklassen eingesetzt werden.
 
Für uns GRÜNE wäre es die beste Lösung, wenn die Schillerschule weiterhin die pädagogische und fachliche Zuständigkeit für Vorbereitungsklassen behielte, die an Realschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien eingerichtet werden. Diese Schulen haben in der Regel keine Lehrkräfte mit einer Aus- oder Weiterbildung für Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache und würden sich möglicherweise leichter tun, mit einer Vorbereitungsklasse zu kooperieren, die durch eine erfahrene und speziell qualifizierte Lehrkraft geführt wird.
 
Am meisten aber würden die betroffenen SchülerInnen selbst von dieser Lösung profitieren. Sie können schnell Kontakte mit gleichaltrigen deutschen MuttersprachlerInnen finden und je nach Lernentwicklungsstand unkompliziert und individuell in reguläre Klassen dieser Schule oder an einer anderen Schulform integriert werden.
 
Unterzeichnet von:
 
Bettina Lisbach      Renate Rastätter      Alexander Geiger       Daniela Reiff
 
Stellungnahme der Stadtverwaltung für die Gemeinderatssitzung am 26.01.2016