Michael Borner Joschua Konrad Renate Rastätter Zoe Mayer Johannes Honné Dr. Ute Leidig Ekkehard Hodapp Verena Anlauf Istvan Pinter

Anfragen

7. Februar 2017

Lebenssituation von Senior*innen mit geistigen Behinderungen


Anfrage:

  1. Wie viele Menschen mit geistiger Behinderung, die derzeit in geschützten Werkstätten oder anderen Arbeitsplätzen tätig sind, werden in den nächsten fünf Jahren das Rentenalter erreichen (belegte Zahlen oder Schätzungen)?
  2. Welche Konzepte bestehen, diesen Menschen auch in ihrem Ruhestand eine Tagesstruktur anzubieten? Inwiefern werden dabei allgemeine Angebote der Seniorenarbeit der Stadt bzw. der Freien Träger genutzt? Wenn zutreffend, welche Erfahrungen wurden damit gemacht?
  3. Wie werden die betroffenen Personen in die Entwicklung ihrer zukünftigen Tagesstruktur mit einbezogen?
  4. Inwiefern werden z.B. in den Werkstätten schon frühzeitig besondere Interessen herausgearbeitet? Werden die Werkstätten in das Angebot für die Tagesstruktur einbezogen, z.B. um Kontakte zu früheren Kolleg*innen nicht abreißen zu lassen?
  5. Gibt es Kooperationen z.B. mit Sportvereinen, Kirchengemeinden, etc.?

 

Sachverhalt/Begründung

Aufgrund des medizinischen Fortschritts erreichen Menschen mit geistigen oder anderen Einschränkungen mittlerweile häufig ein hohes Lebensalter.
Für viele Menschen, die in einer Werkstatt oder auf einem betriebsintegrierten Arbeitsplatz beschäftigt sind, fällt mit dem Eintritt ins Rentenalter ein wichtiges Stück Tagesstruktur weg, gleichzeitig treten altersbedingte Einschränkungen auf. Insbesondere für Menschen mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen sind eine Tagesstruktur und eine Bewältigung der Einschränkungen jedoch von großer Bedeutung.
 
Bisher bestehen nur wenige Angebote für diese Personengruppe, wahrscheinlich weil die Zahl älterer Menschen mit Behinderungen in Deutschland in den letzten Jahrzehnten sehr niedrig war (durch die systematische Ermordung von Menschen mit Behinderungen während des Nationalsozialismus). Daher ist es wichtig, bestehende Angebote für diese Personen zu erweitern oder neu zu schaffen. Diese Angebote sollten an deren altersspezifischen und individuellen Bedürfnissen angepasst werden können.
Die Anfrage zielt darauf ab, einen Überblick über vorhandene Angebote für Senior*innen mit psychischen Beeinträchtigungen zu erhalten, sowie Ansatzpunkte für Weiterentwicklungen anzustoßen, die den altersspezifischen und individuellen Bedürfnissen dieser Menschen gerecht werden.
 
Unterzeichnet von:
 
Michael Borner,  Verena Anlauf,  Renate Rastätter
 
Stellungnahme der Stadtverwaltung für die Gemeinderatssitzung am 14.03.2017